Ausnahmsweise mal nicht an einem Samstagabend, sondern bereits am Freitag begeben wir uns zum Essigbrätlein nach Nürnberg. Der Ausflug ist Teil unseres neuen Vorsatzes primär in Restaurants zu gehen, die von sich aus ein vegetarisches Menü anbieten.
Essigbrätlein, Nürnberg
Das Essigbrätlein ist eine Institution in Nürnberg. Es gibt unzählige Artikel, nicht nur beim Guide Michelin (2 Sterne) oder im Gusto (9 Pfannen), sondern auch in der FAZ oder der Süddeutschen Zeitung. Neben dem Sosein. ist es sicherlich das bekannteste Sternerestaurant in der Gegend.
Das Restaurant hat von außen den Charakter eines Gasthauses, der sich im Inneren auch etwas fortsetzt. Aber die moderne Inneneinrichtung lockert das wieder etwas auf. Der Platz ist sehr beschränkt, daher stehen die Tische – im Vergleich zu anderen Sternerestaurants – eher eng. Für meinen Geschmack ist das Licht etwas zu grell, da es einen Spot direkt über dem Tisch gibt. Immerhin erleichtert das helle Licht das Fotografieren.
Wir nehmen ausnahmsweise mal nicht die Weinbegleitung, sondern bekommen auf Empfehlung des Sommeliers, Herrn Ivan Jakir, einen Weißwein aus Tschechien, der das Menü sehr gut begleitet.
Es gibt im Essigbrätlein einmal ein rein vegetarisches Menü und einmal ein Menü mit Fisch und Fleisch. Allerdings spielen auch in letzterem Menü, die fleischlosen Gänge und die Gemüsebegleitung eine wichtige Rolle. Wir entscheiden uns für das rein vegetarische Menü.
Das Menü
Zum Start gibt es gebratene, lauwarme Blätter von Rosenkohl mit Rahm. Sehr lecker mit intensivem Geschmack nach Rosenkohl. Danach gibt es eine rohe Endivie in gekochtem Endiviensud. Man wird aufgefordert, die Endivie in die Hand zu nehmen und damit den Sud aufzustippen. Eine sehr leckere, aber auch leichte Kombination von Säure und Süße. Auch gibt es eine Pilzessenz, die sehr intensiv schmeckt, aber fast etwas zu wenig ist, um sie wirklich zu genießen.
Der erste Gang steht auf dem Menü als Kürbis mit Kohlrabifond. Es handelt sich um Kürbisröllchen, gefüllt mit Kamillencreme. Oben auf liegt geröstete Kamille. Die Röllchen befinden sich in einem Kohlrabisud. Der erste Gang war für mich etwas enttäuschend. Außer dem Geschmack nach Kürbis konnte ich wenig erschmecken.
Der zweite Gang nennt sich Kohl. Es handelt sich um verschiedene Arten Kohl unter anderem auch Grünkohl, dazu Wirsing. Der Geschmack des Wirsings und des Grünkohls ist sehr intensiv. Die Kohlsoße ist ebenfalls sehr dick und lecker. Dieser Gang ist eine sehr stimmige Mischung.
Zum dritten Gang gab es Blumenkohl mit in einer Blumenkohlsoße. Klingt langweilig, war aber lecker. Die Portionen sind insgesamt eher klein, aber angesichts der Vielzahl der Gänge bleibt man nicht hungrig. Der Blumenkohl schmeckte intensiv und dies wurde durch die Blumenkohlsoße noch verstärkt.
Als vierten Gang gibt es gegrillten Lauch. In der Marktküche in Zürich habe ich vor einem Jahr einen unglaublich tollen Lauch gegessen. Der Lauch wurde 12 Stunden lang geräuchert und hatte einen völlig unbekannten, aber fantastischen Geschmack. Ich hatte mich daher besonders auf diesen Gang gefreut. Auch im Essigbrätlein ist der Lauch lange gegart und mit Kapuzinerkresse, grünem Apfel und Ingwer verfeinert. Der Lauch liegt dabei in einem Erbsensud. Das schmeckt insgesamt ganz lecker, aber kommt nicht an den wunderbaren Lauch in der Marktküche heran.
Vor dem Hauptgericht kommt dann mein bisheriger Lieblingsgang Zwiebel mit Schwarzwurzel. Diese befinden sich auf einem Kartoffelpüree mit Reis. Daneben gibt es eine Kaffeecreme mit Kardamom. Die Zwiebeln und die Schwarzwurzeln schmecken unglaublich intensiv. Gleichzeitig bietet der Kartoffelbrei mit dem Reis einen tollen klassischen Geschmack auch wenn man das so zusammen wahrscheinlich noch nie gegessen hat. Ich bin etwas traurig, dass die Portion so klein ist.
Das Hauptgericht nennt sich Brokkoli mit Shiitake-Pilzen. Dazu gibt es unter anderem Kohlrabi, Haselnüsse und Estragon. Die Pilze schmecken unglaublich fleischig und sehr intensiv. Es ist eine Freude, diese aufzuschneiden und zu essen. Dazu schmecken die Gemüse ebenfalls sehr gut und intensiv, aber es fehlt so ein bisschen das Wow-Erlebnis vom letzten Gang.
Mein Highlight des Abends ist das Dessert Himbeereis mit Zahnlavendel. Es handelt sich um Eis aus fermentierter Himbeere und dazu eine Creme, die aus der Asche von gegrilltem Endiviensalat hergestellt wurde. Oben drauf findet man einige Blätter Zahnlavendel. Unter der Asche befindet sich eine Art Brötchen. Der Geschmack ist großartig. Das Himbeereis schmeckt sehr intensiv und die Creme zusammen mit dem Brötchen erinnert mich entfernt an Kindheitsnachtische wie Ofenschlupfer. Fantastischer Abschluss des Menüs.
Zum Kaffee gibt es fünf verschiedene Schokoladen: Haselnuss, Johannisbeeren, Topinambur, Sauerampfer mit Marzipan und Sonnenblumenkerne. Alle sehr lecker und gut.
Fazit
Ich finde die Bewertung des Essigbrätlein sehr schwierig. Auch wenn wir mittlerweile sehr oft in Sternerestaurants sind, würde ich mir nicht einbilden ein Restaurantkritiker sein zu können. Dafür fehlt mir einfach sehr viel Kenntnis und Verständnis. Ich kann nur sagen, ob mir das Essen geschmeckt hat und ich einen schönen Abend hatte. Letzteres passte im Essigbrätlein. Der Service ist hochprofessionell, das Ambiente schön und das Gesamterlebnis gut. Das Essen lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Ich hatte natürlich im Vorfeld viel über das Restaurant gelesen und die tolle Pionierarbeit, die die Betreiber in den letzten zwanzig Jahren geleistet haben. Auch finde ich Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sehr wichtig, gerade auch in der Gourmetküche. Ohne das Essigbrätlein hätten es Restaurants wie das Nobelhart und Schmutzig vielleicht nicht gegeben. Es gab auch einzelne Gänge, die mir gut geschmeckt haben. Aber es fehlte mir bei den meisten Gängen etwas ohne, dass ich genau sagen könnte was das war. Der Abend lässt mich daher etwas unbefriedigt zurück, wenn natürlich auch auf sehr hohem Niveau.
Bewertung
- Essen 7/10
- Service 7/10
- Ambiente 7/10
- Gesamtwertung: 7/10
Anschrift
Essigbrätlein
Weinmarkt 3
90403 Nürnberg
www.essigbraetlein.de










