Ein paar Tage in London stehen auf dem Programm. Natürlich darf dabei der eine oder andere Restaurantbesuch nicht fehlen.
Die Auswahl an Restaurants mit vegetarischen oder veganen Optionen ist in London riesig. Trotzdem wird schnell klar, dass ich gerne das KOL besuchen möchte. Es handelt sich dabei um ein Restaurant mit mexikanischer Küche, das mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet wurde. Neben einem omnivoren Menü gibt es auch ein vegetarisches und ein veganes Menü.
Da es zu einfach wäre, auf Sterne-Niveau mexikanisch zu kochen, wird im KOL zusätzlich nur mit Zutaten aus Großbritannien gekocht. Das bedeutet, dass sich weder Limette noch Koriander in den Gerichten finden. Die einzigen Ausnahmen sind Chili und Mais aus Mexiko.
KOL, London, England
Als ich gegen 20:45 Uhr im Restaurant ankomme, ist dieses bereits voll besetzt. Wie viele andere Restaurants in London versucht auch das KOL, mindestens zwei Seatings am Abend unterzubringen. Ich hatte mich für das zweite entschieden, schlicht weil das erste bereits sechs Stunden nach Öffnung der Reservierungsmöglichkeiten ausgebucht war.
Die Atmosphäre im Restaurant ist entspannt. Die Servicekräfte sind professionell, doch ansonsten erinnert wenig an klassisches Fine Dining. So gibt es beispielsweise keine weißen Tischdecken und die meisten Gäste sind eher leger gekleidet.
Die Einrichtung ist schlicht, aber edel. Durch die vielen Holzelemente und einige mexikanisch angehauchte Accessoires fühlt man sich tatsächlich leicht an Mexiko erinnert.
In der Mitte des Restaurants befindet sich eine offene Küche, in der ein Teil der Vorbereitungen erfolgt, vor allem die letzten Handgriffe. Es gibt aber auch einen Ofen, wodurch den ganzen Abend ein leichter Brandgeruch im Raum hängt, den ich als etwas irritierend empfinde.
Ich entscheide mich für das vegetarische Menü für 145 £. Im Laufe des Abends kommen noch zwei Extragänge hinzu, die mit 25 £ bzw. 15 £ extra berechnet werden. Neben der klassischen Weinbegleitung gibt es auch eine alkoholfreie Begleitung, eine „exklusive” Weinbegleitung und eine Meczal-Begleitung.
Ich entscheide mich für die klassische Weinbegleitung für 95 £. Mein Wunsch nach einem Aperitif wird mit dem Hinweis abgelehnt, dass der erste Teil der Weinbegleitung ohnehin ein Champagner sei. Die Bar scheint wegen Reichtums geschlossen zu sein.
Das Menü
Den Anfang macht eine Suppe aus Chili und Mais. Gleichzeitig wird ein Tablett mit Chili-Schoten und Maiskörnern präsentiert. Dabei wird noch einmal erläutert, dass alle anderen Produkte im Menü heimische Pflanzen aus Großbritannien sind.
Die Suppe, die wie Tee getrunken wird, ist mit viel Salz und etwas Schärfe ein schöner Start.
Danach geht es sofort mit dem eigentlichen Menü los. Auf der ausgedruckten Menükarte, die neben meinem Tisch liegt, steht Squash Quesadilla.
Die Quesadilla ist gefüllt mit Spaghettikürbis, Stachelbeere und Mais und mit einer guten Schicht schwarzen Trüffeln belegt. Auch hier fällt zuerst eine deutliche Schärfe auf. Diese wird jedoch gut aufgefangen vom geschmackvollen Kürbis und den Stachelbeeren. Der Teig ist für meinen Geschmack etwas zu dick, aber ich bin kein Experte für Quesadillas. Dennoch ein schöner Start in das Menü.
Zur Weinbegleitung gibt es einen Champagner Roc Solare Coteaux du Sézannais Extra Brut Assemblage Galets de Silex von Dhondt-Grellet, der wirklich hervorragend ist. Er ist sehr trocken, hat eine tolle Perlage und einen runden Körper.
Als zweiter Gang steht Kohlrabi-Ceviche auf dem Menü. Dabei habe ich gelernt, dass Kohlrabi auf Englisch ebenfalls Kohlrabi heißt. Der deutsche Begriff hat sich weltweit durchgesetzt.
Neben dem Kohlrabi finden sich Weintraubenkernen, Rhabarber und Frühlingszwiebeln auf dem Teller. Wie bei klassischem Ceviche hatte ich eine starke Säure erwartet. Diese fehlt hier jedoch, möglicherweise mangels Limetten, fast vollständig. Stattdessen ist eine deutliche Schärfe vorherrschend. Der Kohlrabi selbst ist leicht mariniert und hat einen starken Eigengeschmack, wie man ihn bei Kohlrabi heute selten findet. So richtig überzeugt mich die Idee nicht. Mir fehlt bei diesem Gang das gewisse Extra.
Dazu gibt es einen Riesling Niedermenniger Herrenberg Spätlese Palm vom Hofgut Falkenstein an der Mosel aus 2023, dessen nicht zu starke Süße wunderbar zur Schärfe des Gerichts passt. Dabei fällt mir auf, dass sich zu mexikanischen Gerichten ein Süßwein hervorragend macht, was ich bisher nicht bedacht hatte.
Als nächsten Gang gibt es den Milk Pearl Taco. Auf dem Taco liegt ein Gelee aus Sojamilch. Daneben gibt es etwas Kraut und ein Gurkenstück, das man darüber träufeln kann. Das Gelee schmeckt kaum und die Textur erinnert an Gummi. Da das Gelee nicht wirklich zu beißen ist, habe ich beim ersten Bissen bereits das gesamte Gelee im Mund. Ich kann die Idee dahinter etwas nachvollziehen, aber die Umsetzung ist furchtbar.
Glücklicherweise gibt es dazu einen selbst gemachten Cocktail namens La Cigala aus Mezcal, Rhabarber und Hibiskus. Die wunderbaren Fruchtnoten mit dem schönen Mezcal-Geschmack ergeben einen schmackhaften Sommerdrink. Dieser gefällt mir deutlich besser als der Gang.
Als Zusatzgang habe ich mir Cavole Nero and truffle bestellt.
Der Taco besteht hauptsächlich aus britischem Schwarzkohl (Cavolo Nero), Erbsen, Radieschen, Butternut-Kürbis und Pilzen. Darüber befindet sich eine dicke Schicht Trüffel. Der Taco selbst besteht aus zwei verschiedenen Maissorten, wodurch er zwei verschiedene Farben aufweist. Beim Reinbeißen entfaltet sich eine regelrechte Geschmacksexplosion. Die wunderbar scharfen Pilze werden durch den Schwarzkohl und die Kürbiscreme ausgeglichen. So hatte ich mir das vorgestellt.
Dazu gibt es einen Côtes du Jura Trousseau de la Vallée Domaine Courbet aus dem Jahr 2023 vom Weingut Croix & Courbet. Es handelt sich um ein Cuvée, das vor allem aus Trousseau-Trauben gekeltert wurde. Ein leichter, angenehmer Rotwein, der den Gang umschmeichelt und eher zurücktritt. Er ist gleichwohl perfekt zu diesem Gang.
Als nächsten Gang gibt es Mushroom Pozole. Mir wird erklärt, dass Pozole ein Eintopf auf der Basis von nixtamalisierten Maiskörnern ist, also Maiskörnern, die in Wasser und Kalk gekocht wurden. Hier entsteht eine Maiscreme, in der sich verschiedene Pilze finden und die wieder dick mit schwarzem Trüffel belegt ist. Es schmeckt wie eine Erdnusscreme: sehr nussig und mit deutlicher Schärfe. In einem Schälchen daneben gibt es Grillen (ja, die Tiere) in einer Chilisauce. So ganz vegetarisch ist das nicht. Die Grillen schmecken jedoch erdig und knackig und passen gut zu diesem Gericht.
In der Weinbegleitung gibt es vom Weingut Vignai Da Duline einen Malvasia Friuli Venezia Giulia DOC Chioma Integrale aus dem Jahr 2022, der blumig und fruchtig schmeckt und somit einen Kontrast zum eher erdigen Gericht bildet.
Als letzter herzhafter Gang steht Purple Carrot Mole auf der Menükarte. Die Kellnerin zerstreut meine Sorge, einen Maulwurf serviert zu bekommen, indem sie erläutert, dass Mole in Mexiko für eine bestimmte Art von Soßen steht. Die Mole-Soße wird hier aus fermentiertem Roggen hergestellt und mit Grünkohl serviert. Die lila Karotten wurden in dünne Scheiben geschnitten, zu einem großen Stück Karotte zusammengeführt, glasiert und geräuchert. Heraus kommt ein phänomenales Gericht, das nur entfernt an Karotte erinnert und durch die Raucharomen eher an einen Grillabend. Die fermentierte Mole-Soße bringt einen erdigen Geschmack mit viel Salzigkeit hinzu. Erneut ein wunderbarer Gang.
Dazu gibt es einen Wein namens Hecatomb aus dem Jahr 2022 vom Weingut Christian Tschida aus Österreich, der ausschließlich für das KOL entwickelt und in Magnum-Flaschen abgefüllt wurde. Es handelt sich um einen schweren Cabernet Franc, der gut zu diesem im Vergleich zu den anderen Gängen eher mächtigen Gang passt.
Zu meiner Überraschung gibt es noch einen zusätzlichen Gang, der als Street Style Taco beworben wird. Es handelt sich um einen klassischen Taco mit vielen Pilzen, Zwiebeln und einer Knoblauch-Pesto. Die Pilze sind wunderbar gewürzt und haben einen tollen Eigengeschmack. Der Knoblauch schmeckt ebenfalls deutlich heraus und bringt in der Pesto, die zusätzlich mit Chili verfeinert ist, viel Schärfe mit. Ein wunderbares Finale des herzhaften Teils des Menüs.
Im Anschluss werde ich in den Keller des Restaurants gebeten. Beim Gang auf die Toilette hatte ich schon gesehen, dass sich unten noch ein kleiner Raum befindet. Er ist so eingerichtet, wie ich mir eine mexikanische Bar vorstelle. Es gibt viele kleine Accessoires, es ist dunkel und etwas verrucht. Ich nehme am Tresen Platz. Hier wird für alle Gäste, die das möchten, der süße Teil des Menüs serviert.
Zur Einstimmung auf die neue Umgebung wird mir ein Jurançon Cuvée Domaine von der Domaine de Souch aus dem Jahr 2024 eingeschenkt. Es handelt sich um einen klassischen Süßwein aus Petit-Manseng-Trauben.
Währenddessen darf ich einer Dame aus der Patisserie beim finalen Zubereiten der Desserts hinter dem Tresen zuschauen.
Weiter geht es mit dem Menü, auf dem nur Paleta steht. Mir wird erklärt, dass Paleta ein klassisches mexikanisches Eis ist, das oft aus Früchten zubereitet wird. Der Plan des KOL ist es, ein Mango-Eis herzustellen. Da keine Mangos verfügbar sind, werden stattdessen Butternut-Kürbis, Erdbeeren und Sonnenblumen verwendet. Das Eis ist schön frisch und fruchtig mit einem etwas ungewöhnlichen Kürbisgeschmack. Ob den Begriff Mango bei der Erläuterung hilfreich ist, würde ich eher bezweifeln. Diese Assoziation wäre mir nicht in den Sinn gekommen.
Als weiteren Zusatzgang bestelle ich Buñuelos. Dabei handelt es sich um einen Kuchen aus Rhabarber mit einer Käsekuchencreme und einer Zuckersoße. Dazu gibt es noch einen Verveine-Tee und eine Eiscreme, die zwar vanillig schmeckt, aber vermutlich nicht aus Vanille hergestellt wurde. Der Kuchen ist ein leckerer Rhabarberkuchen, aber nichts, was mich sehr überrascht. Es geht vermutlich eher darum, ein klassisches mexikanisches Dessert zu präsentieren.
Dazu gibt es einen Cider von Utopia aus Tschechien aus dem Jahr 2022 namens Patience, der sehr nach Apfel schmeckt, mir aber deutlich zu süß ist.
Es gibt erneut einen unangekündigten Zusatzgang: Icecream with cheese. Dabei handelt es sich um eine Eiscreme, die tatsächlich nach Käse schmeckt. Eine schöne Idee für einen kreativen Käsegang, wobei in der Eiscreme die einzelnen Aromen etwas verloren gehen.
Zuletzt gibt es noch drei kleine Pastels. Es handelt sich um kleine Süßigkeiten aus Karotte, Pastinake und Amaranth. Sie sind alle drei okay, aber meines Erachtens haben sie zu viel Zucker und zu wenig Eigengeschmack. Vielleicht bin ich aber auch einfach satt.
Deutlich besser gefällt mir der Henriques & Henriques (H&H) Sercial aus dem Jahr 1971, den ich auf der Karte entdeckt habe. Ein toller Vintage-Madeira, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Barkarte bietet zudem hunderte Sorten Mezcal, zu denen mir jedoch bisher der Bezug fehlt.
Fazit
In London wird mittlerweile in fast jedem Restaurant eine sogenannte Service Charge automatisch auf die Rechnung gebucht. Dabei handelt es sich um das Trinkgeld, das natürlich freiwillig ist. Allerdings muss man die Bedienung erst bitten, die Rechnung mit einer niedrigeren oder ohne Service Charge neu auszustellen. Der Standard lag bei meinem Besuch im April 2026 bei 12,5 bis 13,5 %. Das KOL ist keine Ausnahme und bucht 15 % Service Charge auf die Rechnung. Ich gebe gerne und viel Trinkgeld, aber ich hoffe sehr, dass sich diese furchtbare Methode nicht in Kontinentaleuropa durchsetzt.
Das KOL ist ein sehr gutes mexikanisches Restaurant, in dem ich viele tolle Gerichte essen durfte. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Gerichte ohne die Beschränkung auf Produkte aus Großbritannien noch besser hätten sein können. Teilweise hätte ich mir etwas Limette oder eine andere Zitrusfrucht gewünscht. Zum anderen hatte ich bei einigen Gängen das Gefühl, dass das vegetarische Menü stark durch das omnivore Menü bestimmt war. Insbesondere der Milk Pearl Taco sollte wohl wie ein Shrimp aussehen, was auch funktioniert hat. Leider hat das geschmackliche und texturale Ergebnis nicht überzeugt. Dagegen haben die Gänge im KOL ihre Stärke ausgespielt, wenn der Fokus auf klassischen Produkten lag.
Die Weinbegleitung war, obwohl es nur die normale Begleitung war sehr passend zu den Gängen und mit exzellenten Weinen gespickt.
Der Service war professionell, allerdings merkt man, dass hier jeden Abend eine große Anzahl von Gästen durchgeschleust wird. Eine echte Fokussierung auf den einzelnen Gast erfolgt nicht. Auch der Brandgeruch neben der offenen Küche hat meinen Eindruck etwas geschmälert.
Gleichwohl würde ich jedem Vegetarier mit einem Faible für mexikanische Küche einen Besuch des KOL dringend ans Herz legen, wenn er oder sie mal in London ist.
Bewertung
- Essen 8/10
- Service 8/10
- Ambiente 7/10
- Gesamtwertung: 8/10
Anschrift
KOL
9 Seymour St
London W1H 7BA
England
kolrestaurant.com
















