In unserer Kategorie „Berichte“ stellen wir Restaurants mit vegetarischen Gerichten vor, die nicht den Anspruch haben in der „Sterneliga“ mitzuspielen, aber gleichwohl einen Besuch wert sind.
Am 16.11.2019 haben wir uns trotz des Novemberwetters vom Sofa aufgerafft, um uns mit Freunden im Künstlerhaus zu treffen. Das Künstlerhaus im Stuttgarter Westen ist ein Ableger von der Bo’teca di Vino in Botnang – von der wir übrigens große Fans sind.
Es handelt sich quasi um den bodenständigen kleinen Bruder der Bo’teca. Das Künstlerhaus ist im Vergleich zur Bo’teca etwas weniger fancy und kommt von den Gerichten schlichter daher – ist dafür aber auch deutlich günstiger. Es gibt eine relativ kleine Karte, wobei es trotzdem jeweils drei Vorspeisen und drei Hauptgänge zur Auswahl für Vegetarier gibt. Es wird auch ein vegetarisches Menü für insgesamt 26,40 EUR angeboten mit einer Vorspeise, einem Hauptgang und einem Dessert aus der regulären Karte.
Vom Ambiente her wirkt das Künstlerhaus clean und modern, aber dennoch gemütlich. Die Tischmöbel aus hellem Holz sowie einige Farbtupfer wie die roten Sofas sorgen dafür, dass es nicht steril wirkt. Das Geschirr stammt von verschiedenen Künstlern direkt aus dem Künstlerhaus- ein kleines sympathisches Detail, das sich gut ins Gesamtkonzept einfügt. Insgesamt ist das Künstlerhaus ein Restaurant, in dem wir uns wohl fühlen.
Zur Begrüßung werden wir vom Service freundlich empfangen. Generell sind die Damen und Herren vom Service sehr freundlich. Einen Abzug gibt es allerdings wegen der relativ langen Wartezeiten. Obwohl das Restaurant nicht ausgebucht ist, müssen wir leider lange auf die Vorspeise warten. Da ich wirklich hungrig war und es auch kein Brot oder ähnliches vorab gibt, wurde ich allmählich ein wenig ungeduldig. Hier muss ich jedoch einräumen, dass ich zu dem Typ Mensch zähle, der bei der Kombination Hunger und Warten schnell etwas unleidig wird.
Wir entscheiden uns an diesem Abend gegen den Menüvorschlag und suchen uns Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch aus der Karte aus. Der Grund hierfür ist vor allem, dass wir bereits ein paar Wochen vorher schon im Künstlerhaus waren. Damals hatten wir beide das vegetarische Menü gewählt und seitdem hat sich die Karte nicht geändert. Wir fanden das Menü damals lecker, wollen nun aber etwas anderes ausprobieren.
Dazu bestellen wir eine Flasche Sauvignon Blanc von Drautz Able, der uns gut schmeckt.
Als Vorspeise habe ich die Quiche vom Butternusskürbis mit eingelegten Pilzen und mariniertem Hüttenkäse (12,80 EUR). Aufgrund des fortgeschrittenen Hungers war ich in erster Linie dankbar, etwas zu Essen zu bekommen. Es gab an dem Gericht absolut nichts zu meckern. Allerdings war ich auch nicht absolut begeistert, der letzte Pfiff hat irgendwie gefehlt. In Schulnoten ausgedrückt war das eine solide Zwei Minus.
Ähnlich sieht es beim Hauptgang aus. Ich habe die Ofen-Aubergine mit Champignons und Sonnenblumenkernen (12,70 EUR) bestellt. Die freundliche Bedienung hatte mich zuvor darauf hingewiesen, ich solle nicht überrascht sein, wenn die Aubergine etwas bissfester daherkomme als man Auberginen beim Italiener serviert bekomme. Dadurch komme der Geschmack der Aubergine besonders zur Geltung. Aha, ok, klingt gut. Letztlich war ich dann aber überrascht – und zwar weil das Gericht dann doch so schmeckt, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Die Aubergine war von der Konsistenz her aus meiner Sicht genau richtig, aber nicht besonders bissfest oder sonst wie ungewöhnlich.
Zum Nachtisch wähle ich das kleine Törtchen von der weißen Schokolade mit eingelegten Zwetschgen und Kardamon-Nußbuttereis (9,70 EUR), weil es so schön klingt und weil ich weiße Schokolade gerne mag. Ich war zufrieden mit dem Dessert, allerdings hätte ich mir von dem Kardamon-Nußbuttereis etwas mehr versprochen.
Insgesamt hätte die Küche gerne noch ein bisschen mutiger sein dürfen und es ist noch ein bisschen Luft nach oben. Dasselbe gilt für den Service, der zwar ausgesprochen freundlich und hilfsbereit war – was lange Wartezeiten aber nicht komplett wieder gut macht.
Das Künstlerhaus ist in jedem Fall eine gute Adresse für vegetarisches Essen abseits von Käsespätzle und wir können das Restaurant mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
P.S. Im Sommer kann man ganz toll draußen essen. Der wunderschöne Innenhof strahlt mit den roten Backsteinen ringsum, Bäumen und Lichterketten ein besonderes Flair aus, bei dem man fast vergisst, dass man sich in Stuttgart befindet.
Restaurant Künstlerhaus
Reuchlinstraße 4B
70178 Stuttgart
https://kuenstlerhaus.de







