Während unseres Urlaubs im Elsass haben wir uns zu einem Ausflug nach Nancy aufgemacht um unter anderem das einfach besternte Restaurant „La Maison dans le Parc“ zu besuchen (Drei Hauben u. 15/20 beim Gault Millau). Obwohl räumlich nicht weit vom Elsass entfernt fühlt es sich in Nancy aufgrund der vielen Jugendstilgebäude, der großzügigen Plätze und Parkanlagen sowie aufgrund des allgemeinen Flairs eher wie eine Stadt in Spanien an. Wir kommen jedenfalls bei strahlendem Sonnenschein in Nancy an und sind direkt sehr angetan.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass Vegetarier im Elsass – so sehr wir diese Region auch lieben – zum Teil nicht ganz so leicht haben. Eine Vielzahl der oft ländlich geprägten Restaurants bietet kaum ein einziges Gericht ohne Fleisch oder Fisch an und wir haben schon mehr als einmal den Speck vom „vegetarischen“ Flammenkuchen gepickt. Allerdings scheint sich hier in den letzten Jahren einiges getan zu haben. Dies gilt auch auf Ebene der Gourmetrestaurants, von denen es im Elsass nur so wimmelt. Man muss zwar etwas suchen, findet aber doch einige Gourmetrestaurants, die ein vegetarisches Menü anbieten.
La Maison dans la Parc, Nancy
In Nancy gibt es sogar einige vegetarische Restaurants und unser heutiges Ziel, das Restaurant La Maison dans le Parc, bietet laut Homepage auf Anfrage ein vegetarisches Menü an.
Als wir uns am Abend beim Restaurant einfinden, werden wir freundlich empfangen und zu unserem Platz auf der Terrasse gebracht. Die Terrasse bietet eine wunderschöne Aussicht auf die großen alten Bäume im Park. Das Restaurant präsentiert sich als echte Perle, wenn man bei schönem Wetter gerne im Freien sitzt – was in Gourmetrestaurants eher selten möglich ist. Auch der Innenraum ist stilvoll eingerichtet und strahlt zugleich eine Gemütlichkeit aus.
Bei unseren Restaurantbesuchen der gehobenen Küche im Elsass befinden wir uns häufig in Gesellschaft von vielen anderen Deutschen, die einen kulinarischen Ausflug ins Nachbarland machen. Im La Maison dans le Parc sind wir heute die einzigen deutschen Gäste – was wohl auch an er größeren räumlichen Entfernung zwischen Deutschland und Nancy liegen mag. Man merkt jedenfalls nicht nur an der Sprache, dass man in Frankreich ist. Die um uns herum sitzenden Gäste sind eher leger gekleidet, altersmäßig bunt gemischt und in dem voll ausgebuchten Restaurant herrscht eine lockere Stimmung. Wir schlagen uns mit einer Mischung aus Französisch, deutsch und englisch gut durch den Abend und empfinden den Service als unaufgeregt und freundlich.
Mit Vorankündigung ist es möglich, auch das große Degustationsmenü als vegetarische Version zu erhalten. Das ist also der Plan für den Abend: Das große Degustationsmenü in sechs Gängen, welches mit 110,- EUR fair bepreist ist (mit vier Gläsern Wein für 145,- EUR, mit vier Gläsern Prestige Wein 185,- EUR). Wir wählen zur Feier des Tages die Prestige-Weinbegleitung, welche uns ganz ausgezeichnet schmeckt. Am Ende lassen wir uns sogar noch die Liste der Weine geben. Freundlicherweise erhalten wir auf die Bitte hin eine Liste mit den Weinen und den einzelnen Gängen. Wir werten das als zusätzliche freundliche Aufmerksamkeit des Services, können aber auch ein sprachliches Missverständnis nicht gänzlich ausschließen. Wir freuen uns jedenfalls darüber.
Das Menü
Der Abend beginnt mit Grüßen aus der Küche. Die ersten Häppchen bestehen aus Artischockencreme und geräucherte Auberginen. Das ist ein solider Start und es gibt nichts zu meckern.
Richtig gut gefällt uns die Idee der Küche, das obligatorische Brot mit Butter als geschmackliches und optisches Highlight zu inszenieren. Zum Brot wird eine Vielzahl an verschieden aromatisierten Butterflöckchen serviert (Lavendel, Steinpilz, Honig Rosmarin, Kräuter und geräucherte Butter). Jede Butter hat eine andere Farbe und ist auf dem Teller wie auf einer Farbpalette eines Malers angerichtet. Das sieht äußerst hübsch aus und schmeckt gut.
Der erste Gang ist die „Ode an die Karotte„. Außer etwas Ziegenkäse besteht der gesamte Gang aus Karotte sowie ein bisschen Dashi, Zitronengras und Melisse. Es gibt fünfundzwanzig verschiedene Varianten der Karotte in unterschiedlichen Texturen, Geschmacksrichtungen und Temperaturen. Der wilde Mix aus unter anderem süßlichem Karottenkuchen, Karotteneis, asiatisch angehauchtem säuerlichen Slice mit „Karottenkaviar“ ergibt ein harmonisches Gesamtkunstwerk. Hier zeigt die Küche, dass sie typisches „Sterneküche-Chichi“ ausgezeichnet beherrscht. Die detailverliebten und filigranen Karottenvariationen sind kleine Kunstwerke und bilden einen sensationellen ersten Gang.
Dazu gibt es einen Clos de l’Élu Bastingage aus 2017.
Der zweite Gang ist das komplette Gegenteil zum ersten Gang. Serviert wird ein Pilzrisotto mit kandierten Walnüssen und Eigelb. Ein solides Wohlfühlessen ohne viel „Tamtam“. Da wir generell große Risottofans sind, kommt der Gang gut an bei uns. Als kleiner Kritikpunkt ist anzumerken, dass die kandierten Walnüsse zwar lecker, aber auch sehr dominant sind.
Dazu gibt es von der Domaine Gavoty einen Cuvée Clarendon ebenfalls aus 2017.
Der nächste Gang geht wiederum in eine andere Richtung. Er besteht aus Zucchini, Kirsche und Kartoffelbrei sowie einer Zucchinimouse mit Joghurt und Kartoffelchips. Mir gefällt die Kombination des puren Gemüses mit den weichen Komponenten. Die verschiedenen Texturen harmonieren perfekt miteinander und es ergibt sich ein äußerst leckeres Gesamtkunstwerk.
Dazu gibt es aus dem Elsass als erstes richtiges Highlight der Weinbegleitung einen fantastischen einen Riesling Grand Cru Pfingstberg von Valentin Zusslin aus 2012.
Als Hauptgang erhalten wir ein Gemüseküchlein mit schwarzem Trüffel, welches laut Service an ein traditionelles Gericht angelehnt ist. Das Küchlein erinnert an eine Art Gratin und hat den Anschein einer Hausmannskost, schmeckt aber sehr fein. Der Trüffel gibt dem ganzen noch eine besondere Note.
Dazu gibt es den sehr guten Gevrey-Chambertin von der Domaine Marchand Grillot aus 2017.
Zum Nachtisch erhalten wir ein Dessert, so wie ich es gerne mag: süß, eher klassische Komponenten und nicht zu abgefahren. Es gibt ein Sorbet mit Himbeere, Mädesüß und Sake, dazu weiße Schokolade (Opalys) mit leichtem „Knistereffekt“. Mir schmeckt es ausgezeichnet und ich bin zufrieden.
Zu Felix Freude bleibt es nicht bei einem Dessert. Es folgt ein Gebäck mit Zitrusaromen und leichter Biernote. Enthalten sind Tonka, Calamondinorange, Kosho-Pan (ein belgisches Brown Ale) und Zitrusschalen. Für mich persönlich ist die Biernote schon fast zu experimentell. Da ich ohnehin schon ziemlich satt bin, gebe ich dieses Dessert nach einem Probierhappen großzügig an den glücklichen Felix ab.
Als Petit Fours gibt es kleine Pralinen mit Jägermeister und Curry, ein Gelee mit Maggi und eines mit Zitrus. Das klingt deutlicher spannender als es am Schluss ist.
Fazit
Ein wunderschöner Abend in phantastischem Ambiente mit hervorragendem Essen. Ein großer Pluspunkt des La Maisons dans le Parc ist die Möglichkeit, im Freien zu Essen und dabei den Blick auf den Park zu genießen.
Die Zusammenstellung des Menüs war perfekt. Jeder Gang war eine andere Komposition und stand für sich. So hat die Küche mit der „Ode an die Karotte“ gezeigt, dass sie sich ganz einem einzigen Produkt in verschiedenen Facetten in Form von einer Vielzahl an filigranen einzelnen Details widmen kann. Andererseits wurde mit dem Pilzrisotto ein eher bodenständiges und unkompliziertes Wohlfühlessen serviert und auch die weiteren Gänge hatten jeweils ein Alleinstellungsmerkmal. Auch durch die beiden grundlegend verschiedenen Desserts kamen sowohl Felix als auch ich auf meine Kosten, da es einen eher klassischen, süßen Nachtisch gab und zusätzlich ein Dessert mit leicht experimenteller Note und Gebäck. So ergab die Menüabfolge ein kreatives und abwechslungsreiches Gesamterlebnis.
Bewertung
- Essen 8/10
- Service 7/10
- Ambiente 8,5/10
- Gesamtwertung: 8/10
Anschrift
La Maison dans le Parc
3, rue Sainte Catherine
54 000 Nancy
Frankreich
lamaisondansleparc.com












