• Startseite
  • Restauranttests
  • Berichte
  • Über Gourveggis
  • Fine Dining – Veggistyle

    Gourveggis testet Gourmetrestaurants, aber speziell für Vegetarier:innen. Wo findet man Fine Dining für alle, die kein Fisch und Fleisch essen.

  • Gourveggis auf Instagram

  • Neuste Beiträge

    • Arnolfo Ristorante, Colle di Val d’Elsa, Italien, 13. Oktober 2025
    • Tulus Lotrek, Berlin, 2. Mai 2025
    • CODA, Berlin, 3. Mai 2025
    • Cookies Cream, Berlin, 1. Mai 2025
    • Le Cerf, Zweiflingen – 21. Februar 2025
  • Startseite
  • Restauranttests
  • Berichte
  • Über Gourveggis

Lalique, Bommes – 1. September 2024

26. September 2024

Der Name Lalique und zwei Sterne, damit habe ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht: In der Villa René Lalique im elsässischen Wingen-sur-Moder hatte ich vor einiger Zeit ein fantastisches vegetarisches Menü genossen, das mir noch heute in bester Erinnerung ist. Bei der Urlaubsplanung fiel mir dann auf, dass es in Bommes ebenfalls ein Restaurant unter dem Namen Lalique gibt, das – untypisch für Frankreich – auf seiner Homepage ein vegetarisches Menü anbietet.

Im Château Lafaurie Peyraguey befindet sich das Restaurant Lalique, das im Guide Michelin mit zwei Sternen und im Gault&Millau mit vier Hauben (17/20 Punkte) ausgezeichnet wurde. Küchenchef ist Jérôme Schilling, der von 2015 bis 2017 in der Villa René Lalique als Chef-Exécutif an der Seite von Jean-Georges Klein gelernt hat. Auf dem Papier also perfekte Voraussetzungen für einen Besuch.

Lalique, Bommes

Bommes ist ein kleines Dorf und befindet sich eine knappe Stunde südlich von Bordeaux. Das Restaurant und Hotel liegt nicht direkt in Bommes, sondern etwas außerhalb inmitten der (flachen) Weinberge. Das Gebäude sieht aus wie ein Schloss und strahlt Eleganz aus. Im Inneren findet man natürlich wieder viel Glas und Glaskunst. Denn die Firma Lalique, Betreiber des Hotels und Restaurants, stellt neben Schmuck und Parfüm vor allem Glasobjekte her.

Blick auf einen Tisch im Restaurant Lalique in Bommes

Der Empfang ist freundlich, alle Mitarbeiter sprechen gutes Englisch. Zuerst setze ich mich in die völlig leere Bar, wo der Aperitif serviert wird.

Cracker mit regionalem Weichkäse und Rotwein und Cracker mit Pilz,

Zum Champagner gibt es zwei Grüße aus der Küche. Zum einen ein Cracker mit regionalem Weichkäse und Rotwein, zum anderen ein ebenfalls in Alkohol eingelegter Pilz. Beides ist gut, aber unspektakulär. Der Pilz-Cracker zeigt aber schon ein wenig das Niveau an.

Schälchen mit Kumquat, Karotte und karamelisierten Nüssen

Dazu gibt es ein Schälchen mit Kumquat, Karotte und karamellisierten Nüssen. Etwas merkwürdig, schwer aus der Schale zu kratzen und geschmacklich etwas langweilig.

Blick in den Wintergarten im Restaurant Lalique

Auf Nachfrage werde ich dann in das eigentliche Restaurant geführt. Das Restaurant ist in zwei Teile gegliedert. Ich nehme im deutlich schöneren Wintergarten Platz.

Das Menü

Das vegetarische Menü heißt „Le Terroir du Sauternais“ und kann als 4- oder 5-Gänge-Menü bestellt werden. Ich nehme natürlich die vollen fünf Gänge. Dazu gibt es eine Weinbegleitung, die speziell auf das vegetarische Menü abgestimmt ist. Darauf freue ich mich schon sehr.

Grüße aus der Küche im Restaurant Lalique

Leider wird es dann unangenehm. Die weiteren Grüße aus der Küche sind unter anderem mit Krabben und Schweinefleisch. Als ich darauf hinweise, dass ich Vegetarier bin, erklärt mir die Restaurantleiterin etwas patzig, dass sie mich doch vor zwei Tagen angerufen und nach Unverträglichkeiten gefragt habe. Ich sehe eine vegetarische Ernährung aber nicht als Unverträglichkeit an, vor allem wenn ein vegetarisches Menü auf der Karte steht. Außerdem habe ich schon bei der digitalen Reservierung angegeben, dass ich das vegetarische Menü nehme. Jetzt ist meine Vorfreude etwas getrübt.

Beurre Blanc mit Wodka und Champagner sowie Blumenkohl und Macadamianüssen

Die Küche schafft es dennoch, schnell auf das vegetarische Menü umzustellen. Als letzten Gruß aus der Küche gibt es eine Beurre Blanc mit Wodka und Champagner sowie Blumenkohl und Macadamianüssen. Dieser Gang ist eine echte Hausnummer. Die Beurre Blanc ist großartig und der Blumenkohlschaum um die Macadamianüsse sehr lecker. Und dann die Knackigkeit der Nüsse. Ein schönes Gericht.

The mulching: Watermelon and Sauternes, blackcurrant and elderflower

Der erste Gang des Menüs heißt auf der englischen Speisekarte The mulching: Watermelon and Sauternes, blackcurrant and elderflower. Fein geschnittene Wassermelone, mariniert in süßem Sauternes, dazu schwarze Johannisbeeren und Holunderblüten. In der Mitte des Tellers sind noch ein paar goldene Streifen. Die Wassermelone schmeckt sehr gut, durch den Wein etwas süßer als erwartet. Aber sonst will mir das Gericht nicht so recht schmecken.

Dazu gibt es aus dem eigenen Weingut einen Chateau Lafaurie Peyraguey 2015 Blanc Grand Vin sec aus dem Jahrgang 2014, mit Abstand das Beste an diesem Gang.

The grave and clay: Range of tomatoes, nectavigne and verbena lettuce

Der zweite Gang heißt The grave and clay: Range of tomatoes, nectavigne and verbena lettuce. Ich muss zugeben. Als ich den Teller bekomme, bin ich gespannt, ob das noch nicht alles ist, denn für mich sieht der Teller unfertig aus; leider bleibt es dabei. Vielleicht soll das an eine Malerpalette erinnern. Auf dem Teller befinden sich dann verschiedene Gemüsesorten, darunter Tomaten, Zucchini, Nectavigne (eine Steinfrucht aus der Familie der Rosengewächse) und Eisenkrautsalat. Das alles schmeckt nicht schlecht, und man hat bei jedem Bissen ein neues Geschmackserlebnis. Aber von einem Zwei-Sterne-Niveau ist man hier weit entfernt.

Noch merkwürdiger ist, dass das omnivore Menü gleichzeitig auch ein vegetarisches Gericht mit dem Namen „The vine shoot: Coloured tomatoes from Marmande, poppy and stracciatella“. Dieser Gang sieht auf jeden Fall viel spannender aus und schmeckt nach Aussage meiner Begleitung auch sehr gut.

Zu meinem Gang gibt es einen Vermentino namens Myrtus vom Weingut Sant Armettu aus Korsika. Auch das ist ein ausgezeichneter Wein.

Blick aus dem Fenster bei Sonnenuntergang im Restaurant Lalique

Aber der Blick aus dem Wintergarten auf die langsam untergehende Sonne ist wunderschön und erfreut mich mehr als das Essen bisher.

Clay Limestone terroir: Monalisa potatoes, cumin and leek

Der dritte Gang wird als Clay Limestone terroir: Monalisa potatoes, cumin and leek angekündigt. Es handelt sich um ein feines Kartoffelpüree aus Mona Lisa Kartoffeln, Kümmel und Lauch mit kleinen Kartoffelstückchen am Boden. Es schmeckt hervorragend und hat ein tolles Mundgefühl. Auch in der Villa René Lalique gab es ein Gericht mit Kartoffelpüree, damals sogar das Signature Dish. Das kann man mit diesem Gericht nicht erreichen, aber wir verbessern uns deutlich.

Diesmal gibt es einen Weißwein vom Weingut Demarie aus Italien mit dem Namen Sabbia. Als Liebhaber schöner, im Barrique gereifter Weißweine ist das ein Genuss.

Sandy soil: Acquerello rice, brocoli and "Aberturret" gin infused egg

Der Hauptgang heißt Sandy soil: Acquerello rice, brocoli and „Aberturret“ gin infused egg. Es handelt sich also um ein Risotto mit Aquarellreis, Brokkoli und einem in Aberturret Gin geschwenkten Ei. Das Ei wird in der Schale am Tisch geschwenkt. Das Risotto schmeckt sehr gut, vor allem die feinen gerösteteten Brokkolistücke geben dem Risotto Geschmack und einen besonderen Biss.

Allerdings ist es der Kellnerin beim Schwenken des Eis gelungen, einen Teil auf mein Jackett zu spritzen, die zu vorgerückter Stunde über der Stuhllehne hing. Ich hatte zwar bemerkt, dass etwas von dem Ei daneben gegangen war, aber nicht, wo es hingekommen war. Erst im Hotel bemerkte ich die Flecken.

Hinzu kommt der Grand Cru Medinette Dezaley vom Weingut Louis Bovard aus der Schweiz. Auch dies ist ein ausgezeichneter Weißwein, komplex und reichhaltig mit schöner Mineralität. Die Weinbegleitung ist ausgezeichnet.

Käsewagen im Restaurant Lalique

In einem klassischen französischen Restaurant darf natürlich eine gute Käseauswahl auf einem klassischen Käsewagen nicht fehlen. Da kann ich natürlich nicht widerstehen.

5 Käse auf Teller im Restaurant Lalique

Nach sehr guter Beratung entscheide ich mich für einige interessante Käsesorten und werde nicht enttäuscht, auch wenn das Stück Blauschimmelkäse etwas zu groß ist, um es ganz zu essen.

Dann gibt es als kleines Pre-Dessert einen Gang mit Estragon-Eis, Zitronencreme, Eischnee und Basilikum. Das ist lecker und fruchtig. Eine gute Einstimmung auf das eigentliche Dessert.

Das Dessert heißt The alliance between the tree and the vine: White peach and Sauternes with meadowsweet. Es gibt Pfirsiche in verschiedenen Formen, als Eis, als Creme und in Stücken, jeweils gemischt mit dem Süßwein Sauternes. Der Gang ist wirklich eine schöne Mischung, mit ganz verschiedenen Geschmacksrichtungen, manchmal schon etwas herzhaft, aber immer gut eingefangen. Ein schöner Abschluss des Menüs.

Als Petits Fours gibt es einen Orangenkuchen, einen Käsekuchen mit Passionsfrucht und eine Schokoladenpraline mit Ingwer. Der Käsekuchen ist besonders lecker, aber alle drei Kleinigkeiten sind ausgezeichnet.

Fazit

Ich freue mich immer, wenn man im Ausland tatsächlich ein Sternerestaurant mit vegetarischer Speisekarte auf der Homepage findet. Vor allem in Frankreich und Spanien ist das die absolute Ausnahme. Aber dieses vegetarische Menü hat mich dann doch etwas stutzig gemacht. Beim Gruß aus der Küche mit der Beurre Blanc, dem Kartoffelpüree und dem Dessert blitzte zwar die Zwei-Sterne-Klasse durch. Aber gerade im Vergleich zum omnivoren Menü muss man feststellen, dass insgesamt doch ein deutlicher Klassenunterschied bestand.

Der Service war freundlich und bemüht, mit vereinzelten Abstrichen. Ich frage mich, ob das daran lag, dass der Service auf Englisch und nicht auf Französisch kommunizieren musste und so die Feinheiten vielleicht etwas „lost in translation“ waren. Am Ende des Menüs verabschiedete mich der Küchenchef Jérôme Schilling freundlich und mit einem Glas Marmelade als Geschenk. Als Elsässer spricht er sehr gut deutsch. Da es zu später Stunde kein Taxi mehr gibt, werde ich freundlicherweise vom Personal in mein Hotel im Nachbarort gefahren, was mir 20 Minuten Fußweg erspart.

Der Abend war eine gute Erinnerung, noch einmal in der Villa René Lalique vorbeizuschauen. Das Essen dort habe ich als sehr gut im Gedächtnis. Allerdings hat sich dort seit meinem letzten Besuch auch einiges verändert. Jean-Goerge Klein ist nicht mehr da und „nur“ noch Paul Stradner kocht dort. Aber genau das ist ein vielleicht Grund, wieder einmal vorbeizuschauen.

Bewertung

  • Essen 7/10
  • Service 7/10
  • Ambiente 9/10
  • Gesamtwertung: 7/10

Anschrift

Lalique
Lieu-dit Peyraguey
33210 Bommes
Frankreich
www.lafauriepeyragueylalique.com

Share

Restauranttests

Felix
Ich liebe Essen gehen. Das Ambiente, die Auswahl, der Wein und natürlich das Essen selbst. Bei vegetarischem Essen wird man viel öfters überrascht als bei Fisch oder Fleisch. Das finde ich schön.

  • Fine Dining – Veggistyle

    Gourveggis testet Gourmetrestaurants, aber speziell für Vegetarier:innen. Wo findet man Fine Dining für alle, die kein Fisch und Fleisch essen.

  • Neueste Beiträge

    • Arnolfo Ristorante, Colle di Val d’Elsa, Italien, 13. Oktober 2025
    • Tulus Lotrek, Berlin, 2. Mai 2025
    • CODA, Berlin, 3. Mai 2025
    • Cookies Cream, Berlin, 1. Mai 2025
    • Le Cerf, Zweiflingen – 21. Februar 2025
  • Gourveggis auf Instagram



  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
© Copyright Gourveggis.de 2025