Unser letzter Bericht stammt aus dem August 2021. Das liegt nicht daran, dass wir nicht mehr Essen gehen, sondern daran, dass wir in letzter Zeit vor allem in Restaurants waren, über die wir schon geschrieben haben.
Beispielweise waren wir nochmal im Ösch Noir im Öschberghof in Donaueschingen. Diesmal habe ich auch Wein getrunken. Vom Menü war ich leider dennoch nicht begeistert. Das vegetarische Menü im Ösch Noir ist von den Produkten und dem Handwerk wirklich gut. Aber irgendwie überrascht mich bei dem Menü nichts und es stechen auch keine Gerichte wirklich heraus. Jetzt, also zwei Monate später, kann ich mich an das Menü kaum noch erinnern.
Kürzlich haben wir auch nochmal das Lamm Rosswag besucht. Vor zwei Jahren waren wir schon einmal in Vaihingen Enz und von dem vegetarischen Menü begeistert. Diesmal war es eher unterdurchschnittlich. Viel Kunst auf dem Teller mit sehr vielen verschiedenen Produkten und Klecksen, aber keine klare Linie.
Mary Jane, Heidelberg
Mehr zufällig haben wir für Samstag einen Tisch im Mary Jane in Heidelberg reserviert. Eigentlich wollten wir ein Wochenende mit Freunden in Heidelberg verbringen und hatten in einem anderen Restaurant reserviert. Nachdem unsere Freunde kurzfristig absagen mussten, haben wir nach einer Alternative gesucht. Vom Mary Jane hatten wir nur über Instagram gehört. Wir haben spontan im Mary Jane angefragt und tatsächlich einen Platz bekommen. Das war sehr viel Glück, denn das Restaurant war bei unserem Besuch ausgebucht.
Das Mary Jane befindet sich in einem Bürogebäude. Außer einem kleinen Schild weist nichts auf das Restaurant hin. Unten werden wir bereits erwartet und zum Aufzug geleitet.
Das Restaurant befindet sich im Dachstuhl des alten Hallenbads in der Innenstadt von Heidelberg. Im großzügigen Eingangsbereich befindet sich eine Bar und die Garderobe.
Das Restaurant selbst ist sensationell eingerichtet. Das Dachgeschoss ist ganz in grau-schwarz gehalten, aber mit einem tollen Lichtkonzept. Die Fenster sind mit Vorhängen verkleidet. Toll sind auch die vier langen Holztische, die sich für alle Gästekonstellationen eignen. Es gibt keine Tischdecken und selbst die Servietten sind schwarz. Die Stimmung ist aber nicht gedrückt, sondern gemütlich und festlich.
Je nach Sitzplatz kann man auch die offene Küche sehen und den Köch*innen bei den letzten Handgriffen zuschauen. Das ist sehr beeindruckend, insbesondere wenn die Produkte am Pass noch flambiert werden.
Das Menü wird im Mary Jane vorab bezahlt, die Getränke vor Ort. Ich finde das aus verschiedenen Gründen eine gute Sache. Die zwischenzeitlich geschlossene Bo`teca di Vino aus Stuttgart-Botnang ist in den letzten zwei Jahren zur Sommerresidenz auf das Weingut Wöhrwag gezogen. Dort musste man das Menü vorab auswählen und bezahlen. Der Vorteil für das Restaurant ist, dass es genau weiß welche Produkte es für den Abend benötigt. Es müssen nicht Produkte vorgehalten werden. Das spart Kosten und ist auch nachhaltig. Gerade in Restaurants in denen es ohnehin nur ein oder zwei Menüs gibt, spricht meines Erachtens nichts dagegen das generell so zu handhaben.
Das Menü
Im Mary Jane gibt es ein „Omakase Surprise Menü“. Omakase kommt auch der japanischen Küche und bedeutet, dass der Koch entscheidet, was er serviert. Es gibt also weder auf der Homepage noch im Restaurant eine Speisekarte. Das Menü beginnt für alle Gäste gleichzeitig um kurz nach 19 Uhr.
Die Begrüßung im Mary Jane ist ausgesprochen herzlich. Der Service ist durchgehend freundlich und kompetent. Zur Einstimmung gibt es einen Sekt vom Sekthaus Krack in Deidesheim
Auf dem Tisch stehen schon Brot und Butter bereit.
Später erfahren wir, dass die Gastgeber Namo Wrede und Giorgios Messas gerne vegetarisch kochen. Das Menü enthalte ohnehin meistens nur einen Fisch- oder Fleischgang, so dass ein rein vegetarisches Menü kein Problem sei. Schön fände ich, wenn dieser Aspekt auf der Homepage explizit herausgestellt würde.
Das Gemüse kommt überwiegend aus der Region, unter anderem vom Querbeet aus Kirchheim, die sich schon überregional einen Namen gemacht haben.
Das Menü beginnt mit einem Petersilienwurzelsalat mit Walnüssen und Sumach. Der Salat ist herrlich knackig und frisch und verbindet sich perfekt mit der leichten Schärfe des Sumachs. Der Einsatz des Sumach-Gewürzes zeigt schon so ein bisschen wohin die Reise geht. Die Gänge enthalten orientalische, aber auch japanische Einflüsse.
Als weitere Grüße aus der Küche gibt es ein Avocado-Tatar mit Granny Smith Apfel, ein Röllchen mit Ziegen-Joghurt und ein Tartlettes mit Kochia-Samen aus Japan. Das Avocado-Tartar ist hervorragend gewürzt mit einer leichten Schärfe, an sich nichts Außergewöhnliches, aber perfekt umgesetzt. Das Röllchen mildert die Schärfe wieder etwas ab und bildet einen schönen erfrischenden Kontrast. Danach kommt das Highlight: Die Kochia-Samen werden gerne als vegetarischer Kaviar bezeichnet. Diese befinden sich auf frischen Creme. Das schmeckt frisch und leicht salzig, nicht wie Kaviar, aber sehr lecker und ein weiteres kleines Highlight.
Im Mary Jane gibt es eine kleine, aber feine Weinkarte. Wir entscheiden uns für einen Chardonnay (Bourgogne Blanc 2017) vom Weingut Tollot-Beaut aus dem Burgund. Dieser passt mit den leichten Barrique-Noten perfekt zum Menü.
Da es keine Speisekarte gibt, muss man besonders gut bei der Vorstellung der Gerichte zuhören. Der erste Gang enthält Chioggia-Bete mit Meersalz, Sushi-Reis und einer Vinaigrette mit Öl, Walnuss und Sesam. Die Ringelbete hat eine schöne Süße, aber das Highlight ist die Kombination mit dem Sushi-Reis, der mit einer Art Mayonnaise mit der Beete verbunden wurde. Das bildet eine tolle Kombination aus der Salzigkeit des Reises, mit der Süße der Beete und dem fantastischen Geschmack der Mayonnaise. Dazwischen finden sich noch kleine knusprig gebratene Stückchen, die das Geschmacks- und Gefühlserlebnis perfekt machen. Ein unglaublich guter Gang, der mir garantiert noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Als zweiter Gang wird warme Avocado, Calamansi-Püree, gerösteter Blumenkohl und Reis mit einer Ponzu-Soße serviert. Das Calamansi-Püree schmeckt fruchtig nach Zitrus, aber nicht zu dominant. Die Avocado ist leicht warm und von guter Qualität. In Kombination macht das ein sehr leckeres Gericht, das durch die gerösteten Reiskörner und den Blumenkohl schön abgerundet wird.
Als nächstes gibt es Miso-Suppe aus Lupinen mit confiertem (Freiland)-Eigelb, Petersilienwurzel-Püree und einer Blüte aus Japan. Die Lupinen stammen aus dem Schwarzwald und ergeben tatsächlich einen wunderbaren Miso-Geschmack. Die Miso-Suppe allein ist bereits großartig, herrlich würzig und gehaltvoll. Fantastisch wird es, wenn man vom Boden des Tellers dann das Petersilienwurzel-Püree dazu isst. Eine tolle Kombination. Das Eigelb sieht zwar gut aus, aber hätte es meines Erachtens gar nicht mehr gebraucht. Ebenfalls ein perfekter Gang.
Der Hauptgang besteht aus Aubergine, Karottensoße und Karotten-Ingwer-Püree sowie Kartoffelknusper. Die Aubergine wurde zwei Tage in Butter gekocht und hat einen wirklich besonderen Geschmack. Ich weiß nicht, ob ich das ohne Hinweis als Aubergine erkannt hätte. Die Kombination mit der Karotte ist gut gelungen. Einziger Kritikpunkt ist der Salzgehalt des Gerichts, der für mich ein bisschen zu viel ist. Gleichwohl ist dies eine geniale Zubereitung einer Aubergine und auch etwas, das ich lange in Erinnerung behalten werden.
Dazu gibt es ein Glas Rotwein aus Südafrika (Ernie Els, Big Easy, Cuvée aus 6 Weinsorten, Stellenbosch 2017), der sehr gut zu diesem mächtigen Gericht passt.
Das Dessert besteht aus karamellisierter Quitte, Fior di Latte-Eis, Cassis und Honig. Quitte findet man selten in unverarbeiteter Form. Ich finde diese Quitte sehr lecker, Dani hätte sie nicht gebraucht. Das Fior-di Latte-Eis ist lecker und wird durch den Honig schön abgerundet. Der Nachtisch ist gut, aber nicht so außergewöhnlich wie die Gänge zuvor.
Fazit
Man hätte es schon an der reduzierten Einrichtung des Restaurants erkennen können. Im Mary Jane steht das Essen im Mittelpunkt. Es geht auch weniger um schöne Teller, sondern um spannende Gerichte und neuartige Kombinationen. Die orientalischen und japanischen Einflüsse sind eine willkommene Abwechslung und ergeben interessante Gerichte. Der erste Gang mit der Bete und dem Sushi-Reis war für mich ein wirkliches Highlight, das für mich eine neue Geschmacksrichtung geöffnet hat.
Auch sonst ist der Besuch im Mary Jane ein Erlebnis. Ein sehr schön eingerichtetes Restaurant, guter, herzlicher Service und eine tolle Atmosphäre. Da kann man nur die Daumen drücken, dass das Konzept aufgeht. Wir waren auf jeden Fall begeistert.
Dani fand das Ambiente mega cool, mochte die moderne Linie bei der Einrichtung und bei der Hintergrundmusik. Vor allem gefiel ihr, dass es Überraschungen beim Essen gab. Erfrischend anders!
Bewertung
- Essen 8,5/10
- Service 8/10
- Ambiente 8/10
- Gesamtwertung: 8,5/10
Anschrift
Mary Jane Restaurant Heidelberg
Poststraße 36/7
69115 Heidelberg
mary-jane.space












