Ich bin zum ersten Mal im Urlaub am nördlichen Gardasee und wusste nicht so recht, was mich kulinarisch erwartet. Bei einer Urlaubsreise prüfe ich, ob die Restaurants mit Michelin-Sternen in der Nähe ein vegetarisches Menü im Angebot haben (und nicht nur auf Nachfrage). Bei meinen letzten Urlauben in Nordspanien und Südtirol hatte ich diesbezüglich leider kein Glück. Dagegen war die Reise in die Toskana ein Volltreffer, denn dort bieten viele Restaurants ein vegetarisches Menü an. Am Ende wurde es das Arnolfo und es war ein sehr schöner Abend.
Beim Blick in die App des Guide Michelin für den nördlichen Gardasee stellte sich jedoch schnell Ernüchterung ein. Keines der fünf bis sechs Sterne-Restaurants in der Umgebung bot ein vegetarisches Menü an. Daher war ich gespannt, welche Auswahl an vegetarischen Gerichten die Restaurants ansonsten bieten. Die Nähe zu Südtirol und dessen fleischlastiger Küche ist groß. Entsprechend groß waren meine Befürchtungen.
Vivere Suites, Arco
Ein schönes kulinarisches Erlebnis beginnt mit dem Frühstück, und in dieser Hinsicht hatte ich mit meiner Unterkunft, den Vivere Suites in Arco, großes Glück. Das Hotel hat nur sechs Suiten, die alle um den Garten und den Pool angeordnet sind. Jede Suite hat einen eigenen Eingang und Zugang zum Pool. Besonders ist, dass jede Suite auch noch einen eigenen, nicht einsehbaren Garten hat. So kann man draußen liegen und ist doch für sich.
Das Frühstück im Vivere war jeden Morgen mein persönliches Highlight. Es gab ein Buffet mit viel Gemüse, Obst, Käse, Müsli und einigen wunderbaren Kuchen. Das Angebot änderte sich jeden Tag leicht: Mal gab es einen Salat mit Aprikose und Ziegenkäse, mal Tomaten mit Mozzarella oder Pfannkuchen. Dazu gab es diverse Eierspeisen.
Bei schönem Wetter kann man direkt am Pool frühstücken, was den Start in den Tag noch einmal verbessert. Wer keinen Wert auf die Aussicht auf den Gardasee legt und nicht unbedingt in Riva del Garda sein muss, dem kann ich das Vivere als Unterkunft wärmstens ans Herz legen. Ich werde definitiv nochmal zu Gast sein.
Pizza und Pasta
Natürlich findet man rund um den Gardasee in diversen Restaurants gute Pizza oder Pasta. Darum soll es in diesem Bericht aber nicht gehen.
Gleichwohl möchte ich die Pizzeria Centrale empfehlen, die sich in Laufdistanz zu den Vivere Studios befindet und sehr gute Pizza zubereitet. Sie wird als die Familienpizzeria des Vivere beschrieben. Die Auswahl an vegetarischen Pizzen ist deutlich größer als in den meisten anderen Pizzerien in der Umgebung.
In den Restaurants am Gardasee kann man natürlich auch leckere Pasta finden, die al dente und mit frischen Zutaten zubereitet wird.
In Verona gibt es mit La bottega della Gina auch einen Instagram-gehypten Laden. Im Schaufenster werden die verschiedenen Tortellini-Sorten frisch hergestellt und können dann zum Mitnehmen gekauft werden. Für einen schnellen Snack zwischendurch kann man das durchaus ausprobieren. Eine kulinarische Erweckung ist es allerdings nicht.
Osteria Le Servite, Arco
Wenn es etwas spannender sein soll, ist meine erste Empfehlung die Osteria Le Servite in Arco. Diese wurde mir vom Eigentümer des Vivere Studio empfohlen. Zwar gibt es kein dediziertes vegetarisches Menü, aber auf der kurzen Karte findet sich für jeden Gang ein vegetarisches Gericht, sodass sich auch hier ein schönes vegetarisches Vier-Gänge-Menü zusammenstellen lässt.
Schon die Auswahl der Aperitifs des Tages zeigt, dass die Osteria Le Servite keine einfache ist. Unter anderem wird ein sehr leckerer Cocktail mit Feige angeboten, der mich begeistert hat.
Nach dem Gruß aus der Küche, einer Polenta mit Ziegenkäse, gab es eine Tomatensuppe, die auf der Karte als Pappa al Pomodoro bezeichnet wurde und Stracciatella, Caiazzane-Oliven und Basilikumcreme enthielt. Die Creme hatte sehr intensive Tomatenaromen und war wunderbar cremig.
Spannend ist auch, dass man zu jedem Gang eine passende Weinbegleitung bestellen kann. Jeder Wein wird mit so viel Freude und Begeisterung vorgestellt, dass man sofort Lust bekommt, ihn zu probieren. Zudem wird nicht einfach ein Lugana ausgeschenkt, sondern auch mal ein intensiver Orange-Wein.
Nach einem leckeren Risotto als Zwischengang werden Zucchiniblüten im Backteig, Ricotta-Zitronen-Mousse, Zucchinicreme und Minze serviert. Der Service ist sehr freundlich und bemüht. Man merkt, dass es sich um ein seit Jahren familiengeführtes Restaurant handelt. Einziger Minuspunkt war, dass die drei Gänge und der Gruß aus der Küche so reichhaltig waren, dass ich für ein Dessert keinen Platz mehr hatte.
La Casina, Drena
Das La Casina in Drena wurde zumindest mit einer Erwähnung im Guide Michelin ausgezeichnet. Was mir auf der Webseite des Restaurants sofort gefallen hat, ist die Tatsache, dass es drei Menüs gibt. Eines davon, das Menü Natur, ist vollständig vegetarisch. Das Menü mit vier Gängen kostet 75 €. Dazu gibt es eine Weinbegleitung zu vier Gängen für 24 €.
Neben den vier Gängen des Menüs gibt es noch einen Gruß aus der Küche sowie ein Brot-Ritual. Das Brot-Ritual sieht nicht nur schön aus, sondern war auch sehr lecker. Es gab hochwertiges Olivenöl, eine Käsecreme und salzige Butter zu diversen Backwerken.
Zu sehen ist der erste Gang, der aus Zucchini, Millefeuille, Kräutercreme und Löwenzahnsalat bestand. Der Geschmack war fantastisch – es war, als würde man in den Gemüsegarten vor dem wunderschönen Restaurant beißen. Schon der Geruch war beeindruckend. Die Idee, Löwenzahn zu verwenden, fand ich sehr spannend. Auch im zweiten Gang wurden Brennnesseln verwendet, und zwar zu den Gnocchi. Das hat wunderbar funktioniert und wirkte nicht repetitiv.
Als Dessert gab es Heidelbeeren: ein cremiges Dessert aus weißer Schokolade, Heidelbeeren und Zitronensorbet. Auch die Patisserie arbeitet im La Casina auf hohem Niveau.
Abzüge gibt es für den Service, der nicht auf demselben Niveau wie das Essen war. Der Kellner sprach zwar perfekt Deutsch, war aber sehr kurz angebunden und am Ende fast schon unfreundlich. Teilweise wurden die Gänge überhaupt nicht erklärt, teilweise wurden nur die Punkte aus der Menükarte heruntergerattert. Bei der Weinbegleitung wurde vergessen, mir zum Dessert einen neuen Wein zu bringen. Als der Kellner dies merkte, stellte er mir den Wein hin, nachdem ich bereits drei Viertel des Tellers gegessen hatte. Eine Entschuldigung gab es dafür nicht. Das fand ich merkwürdig. Wenn man das beiseite lässt, war dies das beste Essen des Urlaubs.
Osteria La Contrada, Riva del Garda
Aufgrund einer weiteren Empfehlung war ich in der Osteria La Contrada in Riva del Garda. Man sitzt hier in einem schönen Innenhof am Rande des trubeligen Stadtteils. Die Auswahl an vegetarischen Gängen ist im Vergleich zum omnivoren Angebot nicht sehr hoch. Das vorhandene Angebot war jedoch auf einem hohen Niveau.
Als Vorspeise gab es pochiertes Ei mit Pecorino-Reduktion von Amarone und schwarzem Trüffel. Käse und Ei sind natürlich eine dankbare Kombination. Im La Contrada war die Zubereitung jedoch besonders gut: Die Käsecreme war nicht zu intensiv und das Gericht war schön heiß.
Das klassische Risotto mit Pilzen und Trüffeln von der Tageskarte war sehr al dente, aber wunderbar cremig und hatte einen sehr intensiven Pilzgeschmack. Ich muss zugeben, dass ich mein Risotto einen Tick weniger al dente mag. Damit verärgere ich wohl jede echte Italienerin und jeden echten Italiener.
Man merkt auch, dass das La Contrada nicht nur ein Touristenlokal ist, sondern dass dort sehr viele Stammgäste ein- und ausgehen. Das liegt auch am sehr herzlichen Service.
Ristorante la Berlera, Riva del Garda
Im nördlichen Randbereich von Riva del Garda, fast schon an der Grenze zu Arcor, liegt das La Berlera. Auch dort gibt es ein vegetarisches Menü mit drei Gängen.
Die Zucchinibällchen mit Käse waren exzellent und kreativ. Es war eine schöne Kombination aus den mit Zucchini gefüllten Bällchen und den kleinen, frischen Zucchinistreifen sowie einer leichten Käsecreme.
Der Hauptgang, bestehend aus Ei, Spinat, Kartoffelpüree und einem Nudelnest aus Kartoffeln, war nicht ganz so kreativ wie die ersten beiden Gänge. Es fehlte noch der gewisse Kick. Zwar waren die einzelnen Komponenten exzellent, aber die kreative Verspieltheit der anderen Gänge kam hier nicht ganz zum Tragen.
Fazit
War ich enttäuscht, dass ich diesen Urlaub nicht mit einem Besuch in einem Sternerestaurant verbinden konnte? Ja, aber nur, bevor ich die kreativen Restaurantkonzepte in der Umgebung kennengelernt habe. Ich finde es beeindruckend, dass einige Gastronominnen und Gastronomen in einer so touristisch geprägten Gegend den Anspruch haben, mehr als nur Fleisch, Pizza und Pasta zu bieten. Umso mehr hat es mich gefreut, dass es auch ein wunderbares vegetarisches Angebot gibt.
This is me, happy after a good meal, holding my cotton candy.















